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Distelfelder – Zeiten des Herbstes

vor 8 Stunden
4 Min. Lesezeit
Anton Sterbling und Astrid Ziegler, die Herausgeber, und das Cover der Anthologie, die im Heiligenhof vorgestellt wird
Anton Sterbling und Astrid Ziegler, die Herausgeber, und das Cover der Anthologie, die im Heiligenhof vorgestellt wird

Lyrik und Prosa aus dem Banat und Siebenbürgen: eine Anthologie und ein Literaturseminar


Wie stellt sich Landschaft dar, wenn sie in Poesie Eingang findet? Wie gelingt es, nicht nur die regionaltypische Sprache, sondern auch die dahinterstehende Mentalität in Gedichten neu aufleben zu lassen? Und wie schreibt man über eine Heimat, ohne sie zu verklären?


Die Anthologie Distelfelder – Zeiten des Herbstes, herausgegeben von Astrid Ziegler und Anton Sterbling, versammelt Gedichte deutschsprachiger Autorinnen und Autoren aus dem Banat und aus Siebenbürgen, in denen auch diese Fragen thematisiert werden. Die in dem Band vertretenen Schreibenden haben in den vergangenen Jahren im Heiligenhof bei Literaturseminaren gelesen und diskutiert. So entstand im Laufe der Zeit ein Literaturkreis, der sich einmal jährlich in Bad Kissingen traf und dessen Stimmen nun in dieser Anthologie versammelt sind.


Die Silberdisteln und Distelfelder im Titel des Buches entfalten ihre Bedeutung auf mehreren Ebenen. Sie verweisen auf die Landschaft des Banats und werden darüber hinaus zu einem poetischen Bild für die Literatur der hier versammelten Schreibenden. Diese durchzieht die Erfahrung von Entwurzelung und Verlust, aber auch die Fähigkeit, sich in einer neuen Umgebung zu behaupten. Distelfelder werden zu Erinnerungslandschaften, die schmerzhaft sein können, Widerstandskraft bergen und dennoch ihre eigene Schönheit bewahren – jenseits der nostalgischen Vorstellung einer verlorenen Heimat. Der Herbst verweist auf Vergänglichkeit und Abschied, aber ebenso auf Wandlung und die Möglichkeit eines Neubeginns. So steht er auch für Zeiten der Erkenntnis und der dichterischen Ernte.


Die lyrischen Texte der Anthologie handeln von Heimat und Heimatentfremdung, Liebe und Einsamkeit, Aufbruch und Verlust, von der Sehnsucht nach dem Vertrauten und der Erfahrung des Fremdseins. Sie erinnern an historische Brüche, erkunden Landschaften und Lebensgeschichten und reflektieren die Widersprüche der Moderne. Dabei begegnen sich unterschiedliche Generationen von Schreibenden, verschiedene biografische Werdegänge und eigenständige poetische Handschriften. Die Anthologie bewahrt Erinnerungen, ohne sie zu idealisieren, und zeigt eine Literatur, die ihre Herkunft kennt und zugleich in der Gegenwart angekommen ist. Beachtlich ist die große Zahl der in dieser Anthologie vertretenen Autorinnen. Ihre Gedichte zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig sich die weibliche Perspektive artikuliert und welche wichtigen Impulse daraus erwachsen.



Drei Tage Literatur hautnah erleben


Vom 6. bis 8. November 2026 wird die Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen zum Treffpunkt für Liebhaber deutschsprachiger Lyrik, literarisch Interessierte und alle, die sich mit der Gegenwart der deutsprachigen Banater Literatur beschäftigen möchten.


Das Seminar bietet Gelegenheit, die Autorinnen und Autoren der Anthologie persönlich kennenzulernen und ihre Texte in Lesungen zu entdecken. Ilse Hehn, Anton Sterbling, Horst Samson, Dagmar Dusil, Edith Ottschofski, Yvonne Hergane, Traian Pop Traian und Astrid Ziegler stellen eigene Arbeiten vor. In Gesprächen und Diskussionen geht es um Heimat, Abschied, Sehnsucht, Liebe und literarische Landschaften – Themen, die weit über die Erfahrungen einer einzelnen Herkunftsregion hinausweisen.


Auch die Verbindung von Literatur und bildender Kunst erhält Raum: Éva Seiler-Iszlai präsentiert eine Text-Bild-Montage, die gemeinsam mit Versen ihres kürzlich verstorbenen Mannes Hellmut Seiler entstanden ist. Hans Rothgerber zeigt seine surrealen Bilder, die Bogdan Dascălu zu poetischen Betrachtungen inspiriert haben. Eine Lesung mit Werken von Albert Bohn, der selbst nicht mehr teilnehmen kann, sowie mit Gedichten des kürzlich verstorbenen Johann Lippet bringt die Lyrik beider Dichter noch einmal zu Gehör.



Ein Seminar zum Zuhören und Mitreden


Wer sich für zeitgenössische Lyrik von Schreibenden aus dem Banat interessiert, findet hier sowohl bekannte als auch neue Stimmen und ungewohnte Perspektiven. Wer die Literatur dieser Regionen bereits kennt, kann vertraute Themen im Dialog verschiedener Generationen neu entdecken. Und wer sich erstmals mit dieser Literatur beschäftigt, erhält Einblicke in eine vielschichtige literarische Landschaft, deren Erfahrungen von Migration, Sprachvielfalt, Erinnerung und Neubeginn auch gegenwärtige Fragen berühren.


Die persönliche Begegnung mit den Schreibenden, die gemeinsame Lektüre und die Diskussionen sollen einen unmittelbaren Zugang zu den Texten eröffnen. Das Seminar versteht Literatur nicht als abgeschlossenes System, sondern als lebendigen Austausch zwischen Autorinnen, Autoren und Lesenden.


Die Vorstellung von Distelfelder – Zeiten des Herbstes im Heiligenhof ist mehr als eine Buchpräsentation. Die Veranstaltung lädt dazu ein, im begleitenden Seminar Gedichte und Prosa als Kunstwerke zu entdecken, unterschiedliche Stimmen miteinander ins Gespräch zu bringen und den Blick auf eine Literatur zu richten, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet.



Neuerscheinung


Astrid Ziegler & Anton Sterbling (Hrsg.): Distelfelder – Zeiten des Herbstes. Gedichte deutscher Autorinnen und Autoren aus dem Banat und aus Siebenbürgen. Reihe Lyrik, Bd. 203, Pop Verlag, Ludwigsburg 2026. ISBN 978-3-86356-448-3. Preis: 18,50 €.



Veranstaltungsdetails


  • Zeitraum: 06.11.2026 bis 08.11.2026 (Beginn Freitag 18:00 Uhr, Ende Sonntag nach dem Mittagessen).

  • Ort: Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in 97688 Bad Kissingen

    (Alte Euerdorfer Str. 1). Veranstalter: Akademie Mitteleuropa e.V.


Teilnahmegebühr


Die Preise verstehen sich als Komplettpreis für den gesamten Zeitraum und beinhalten bereits die Unterkunft, volle Verpflegung, die Programm- bzw. Seminarkosten sowie die Kurtaxe:

Im Doppelzimmer: ca. 94 €

Im Einzelzimmer: ca. 114 €


Anmeldung


Das Seminar ist für alle historisch und literarisch interessierten Personen frei zugänglich. Anmeldungen können direkt an die Tagungsstätte gerichtet werden




Die Veranstaltung wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales über das Haus des Deutschen Ostens in München gefördert.


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