Der Krampus damols in Paulisch – Des Theoter mit'm Jerig
- Astrid Ziegler

- 5. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Damols im Winter ’46, nochem Kriech, wu alles knapp wor und die Leit trotzdem z’sammeg’halt ham, hockt die Paulischer Verwandtschaft im grooße alte Haus im warme Zimmer. Die Mutti sitzt uff'm Divan, die klooni Waltraut und der Horsti uff’m Schooß, die Kinner sein ganz unruhig un warte uf'n Krampus. Die Waltraut un der Horsti sagen Mutti zu ihrer Mudder, weil die Schmidt's Nanni vor'm Kriech in Temeschwoor studiert hat g'hatt un Dorf-Lehrerin worre is, seit de Vatti uf Russland verschleppt is worre. Drum lewe sie aa mit ihra Leit in Paulisch, wu im Haus vun der Oma un em Schmitts-Ota for alli Platz is. Mit ehna derhoum sein noch: die Lissi Tant, da Claudius Onkel un de jungi Jerig, des G’wisterkind vum Horsti un de Waltraut, der immer a bissl frech un damouls schun zu groß for de Krampus wour.
„Jerig, hascht dei Gebet schun g’lernt?“, froht die Lissi-Tant, sei Mudder, streng. Der Jerig lacht nor verschmitzt: „Geh, for was soll ich bette? Ich bin doch ka kloones Kind mehr!“
„Du werscht glei’ sehne…“, brummt de Claudius Onkel und schaut zur großi altdi Tihr, die zum Gang naus geht. Grad wie er’s sagt, scheppert's dort drauß - Rumpel! Bumm! Puff! - sodass die Kloone in Muttis Arm verschrecke.
Die Tihr geht uff, un in dem Moment steht di Lentschi-Neni do - net als Lentschi-Neni, awer als Krampus: in ouner “Bunda”, wie mer in Rumänien gsacht hat, schwarz verschmiert, a Ruht in der Hand, a Kett um die Schulder, a Sack uff’m Buckl. Die Lentschi-Neni, die sunscht a herzensguudes Weib woor, brillt mit verstellter Dunnerstimm: „Sein do schlechti Kinner im Haus?“
Claudius Onkel, der g'wusst hat, wer unnerm Krampuspelz versteckelt woor, muss lache - awer er dreht sich schnell weg, dass’s kouner siggt. Die Waltraut brillt, der Horsti ziddert, awer Mutti nemmt sie in die Arm: "Habt keine Angst, ihr seid doch meine Braven!” Derweil stampft der Krampus ins Zimmer. „So! Jetz’ zeigt mer wie scheen tihr bette kennt!“ De Jerig, de greeschti, steht do, steckt die Händ in de Hoosesack und mount: „Nou, ich bett net. Soll’r mich hoole, wenn’r sich traut. “Der Krampus dreht sich langsam zum Jerig um:„Hascht gsagt, du willscht net bette?“
„Nou…“, macht der Jerig, aber schun a kloones bissl staader. Krampus schwenkt die Kett. Klingklong! „Dann kumm her, du Bengel! Dir zeig ich glei, wie mer brav werd!“ Er packt de Jerig so fescht am Schlafittl, dass dem sei Knie wackle. „Heer uff, Lentschi-Neni - eeh, Krampus- ich moun’s jo net bees!“, stoddert er.
„Zu spout!“, schreit de Krampus. „In de Sack kummscht!“ Er ziegt de Jerig am Ohrwaschl Richtung Tihr. Die Kinner heila, als wär die Hell grad uffgang. „Lass da Jerig dooo!“, schreit die Waltraut. „Der is net soo schlimm!“, mount de Horsti zum wiedicher Krampus.
Der Krampus bleibt stehe, wie im Theoter und schaut die Leit wild oun. „Ner wann ihr versprecht, brav zu seie’, un for de schlimmi Bu a Gebet ufsaat!“ „Jooo! Versproch!“ Die Waltraut rutscht vum Schooß der Mutti, stellt sich hin un fangt on mit zittricher Stimm: “Ich bin klein, mein Herz ist rein, kann niemand hinein, nur du mein liebes Jesulein!”
Da Krampus is so iwerrascht, dass er den Jerig stehe lasst. Der stolpert zuruck, reibt sei Ohrwaschl un flischtert: „Ich hab schun Ängschter g'hatt, dass er mich im Sack verschleppt…“ „Jessusmaria ruft die Lissi Tant, hett ihr unser klouni Waltraut g'heert, die bett schun uf herrisch…! “ Jetzt lacht des ganzi Zimmer und kouner hat mehr Ängschter. Da Krampus werft aus seim Sack die Äppel, Nusse un Kuche uf die Eerd un die Kinner hopse rum un sammle die guudi Sache uf. Nur der Jerig hockt in der Eck un reibt sich die ganzi Zeit die Stell’, wu der Krampus ihn verwischt hat.
Vieli Johr in Rumänien un bis an de heitige Tach in Deitschland werd die G’schicht in unsrer Familie verzehlt. Erscht recht weil der Jerig spoter der Lentschi-Neni ihri Tochter, die Res, g'heirat hat und sie sei Schwiegermotter worre is. Heit morjet hat die Waltraut, die mei Mutti is, sich erinnert: Wie der Jerig „net bette hat welle“, wie ihn de Krampus „in de Sack stecke hat welle“ un wie die Kinner „Lass de Jerig dou!“ gebettelt han. Uns hat's g’schaudert un mir han immer noch a wenig Ängschter krieht - aba g’lacht ham mir trotzdem.
Herzlichen Dank an Theresia Reingruber für die Korrektur im Paulischer Dialekt










Liebe Astrid,
vielen Dank für diese Geschichte aus vergangenen Zeiten, in Mundart schön und spannend erzählt.
Aus meiner heutigen Sicht allerdings finde ich es nicht gut, dass man früher in Sachen Erziehung oft mit Angst gearbeitet hat. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich so etwas oder ähnlich Erlebtes nicht gut anfühlte. Angst ist kein guter Begleiter.
Das aber schmälert nicht den Wert dieser Geschichte, die mitten aus dem Leben von einst und den damaligen Traditionen aufgegriffen wurde und diese vor dem Vergessen bewahrt.
Liebe Grüße
Edith
Ganz vielen Dank fuer die spannende Krampus Geschichte, liebe Astrid Ziegler - erinnert an die 'alten Tage'... wenn man so a bisserl tiefer in die Seele der Geschichte einblenden darf.... eine gute Strategie von klein auf den Unterschied zwischen 'gut und boese' zu erkennen und die Konsequenzen zu ziehen..... tja, das Leben mit all seinen Wunderbaren 'schematas' eben... to your success Astrid. Would happily connect with you over my email: peter.m93@outlook.com, as my connection with Facebook and messenger got unfortunately lost... I so much enjoyed the multitude as well as versatile comments of our courageous Banater Schwaben. All the best, Peter Michelbach, from Burns Beach, West Australia.