Zeichnen hinter Stacheldraht - Maria Linzers Erinnerung aus Enakievo
- Hans Rothgerber

- vor 3 Tagen
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Maria Linzer, geborene Backhaus, wurde 1945 im Alter von 18 Jahren aus ihrem Heimatort Billed in die Sowjetunion deportiert. Wie viele junge Frauen der deutschen Minderheit aus Rumänien im Alter zwischen 18 und 30 Jahren wurde sie zur Zwangsarbeit herangezogen. Sie wurde nach Enakievo (Jenakijewe) gebracht, ganz im Osten der Ukraine – weit entfernt von allem, was ihr vertraut gewesen war.
Das Lager war von Stacheldraht umgeben. Auch wenn es nicht durchgehend bewacht wurde, gab es keinen Zweifel daran, dass das Gelände nicht unbeobachtet betreten oder verlassen werden konnte. Enge, Kontrolle und der Mangel an Privatsphäre bestimmten den Alltag der Deportierten.
In dieser Situation begann Maria zu zeichnen. Ein Tischler fertigte einfache Holzplatten an, auf denen sie das Lager festhielt: die Gebäude, die Wege, den begrenzten Raum. Ihre Mitgefangenen erkannten den Wert dieser Zeichnungen. Sie erwarben die Bilder als Erinnerungen an eine Zeit, die ihr Leben geprägt hatte und die sie nicht vergessen wollten – und vielleicht auch nicht vergessen durften. Für Maria bedeutete dies ein kleines Einkommen, das es ihr ermöglichte, sich gelegentlich einen Maisfladen zu kaufen.
Eines Tages entdeckte der Lagerkommandant die Zeichnungen. Er ließ Maria zu sich rufen, bedrohte sie und untersagte ihr, weiter zu zeichnen. Er verdächtigte sie der Spionage – heute das Lager, morgen womöglich die Stadt. Einige der Bilder wurden beschlagnahmt, andere konnten von ihren Besitzern rechtzeitig verborgen werden.
Trotz des Verbots blieb das Zeichnen für Maria ein innerer Halt. Es hatte ihr geholfen, diese Zeit zu überstehen. Inmitten von Zwang, Entbehrung und Kontrolle wurde die Kunst für sie zu einem stillen Ausdruck von Würde, Mut und Menschlichkeit.










Freue mich sehr über den interessanten Beitrag, besonders deshalb weil ich die Familie Linzer , wie auch die Familie Backhaus in lieber Erinnerung habe. Frau Linzer, eine sehr hübsche, liebe Frau, genauso wie ihr Mann, der Linzer Hans. Kann mich noch gut erinnern als er , aus der Gefangenschaft (hoffe, dass ich mich nicht irre) heimgekehrt, zu meinen Eltern zu Besuch kam. An die Mutter von Frau Linzer, die Backhaus Néni, denke ich gerne zurück. Sie war mit meiner Großmutter, Omalein gut befreundet. Ich ging öfters mit zum Kaffee. Jahrelang besuchte ich sie, wenn ich Mal aus Bukarest nach Hause nach Billed kam.
Sie fehlt mir heute noch, wenn ich an dem kleinen Häuschen, mit dem gepflegten Blumengarten, vorbeifahre und…
Vielen Dank Hans Rothgerber - wir duerfen diese traurigen Ereignisse nie vergessen , und hoffen dass die Wahrheit ans tageslicht kommt. "Sag die Wahrheit auch wenn sie weh tut".... hoffentlich werden diese furchtbaren Ereignisse einmal, einmal in den Geschichtsbuechern auch gelehrt, von neutral gesinnten Historikern ueberarbeitet.... insbesondere auch die vielen traumatischen Ereignisse die unsere Banater Landsleute, Zivilisten, meistens Frauen, Kinder usw nach Kriegsende erlitten, sowie auch die Traumata der Donauschwaben insbesondere auch aus ex Jugoslawien, Ungarn ( Ungarn hat zu dem Anlass der Vertreibung der Donauschwaben als Zeichen der Widergutmachung einen Feiertag zu diesem Anlass erklaert), ex Tschechoslowakeiund als letztes auch die der Deutschen aus Russland, der Volga Deutschen; letztere wurden aus den durch Kaiserin Katharina der Grossen angestammten Siedlungsgebiet…