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Temeswar, alte Heimatstadt neu erkundet


Heimat ist der Duft unserer Erinnerungen (Anke Maggauer-Kirsche)

Meine frühesten Erinnerungen reichen zum Kindergarten im Viertel Blaşcovici zurück, in den ich geschickt wurde, um Rumänisch zu lernen. Vor fast 50 Jahren war ich mit Bruno dort in der gleichen Gruppe. Er wohnt immer noch direkt um die Ecke. Heute liegt dieser Kindergarten unverändert wie in einem Dornröschenschlaf.


Da ich mit Bruno auch in der ehemaligen Allgemeinschule Nr. 8 in der Josefstadt in der gleichen Klasse war, beschlossen wir uns noch einmal auf den Schulweg zu begeben. Ein Weg, den wir jahrelang gemeinsam beschritten hatten, führte über die “Pasarela”, die Fußgängerbrücke über die Bahngleise.



Home is where one starts from. T. S. Eliot

Eliot war einer der bekanntesten Dichter des 20. Jahrhunderts und Nobelpreisträger im Jahr 1948. Er verließ 1914 im Alter von 25 Jahren seine Heimat, die USA, und zog nach England.

Heimat ist wo die Reise beginnt. Ich verließ Temeswar im Alter von 11 Jahren Richtung Westen.


Unsere Schule im ehemaligen Notre-Dame Kloster Schulgebäude ist zwar baufällig, wir freuten uns aber trotzdem den Ort unverändert vorzufinden. Hier waren wir Schüler der geschätzten Lehrerin Paula Knopf.



Das Leben ist ein langer und ruhiger Fluss (Konfuzius). Heute ist die Bega ruhig und klar; wir gehen an ihrem Ufer noch ein Stück gemeinsam in Richtung Stadtzentrum.



Aussicht von der Traian-Brücke auf eines der 7 “Vaporettos”. Temeswar ist seit 2018 die einzige rumänische Stadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Wasser.



Das Schloss Hunyadi stammt aus dem Mittelalter und ist das älteste Baudenkmal der Stadt. Es liegt heute im Herzen von Temeswar, nahe Corso und Oper, die im Hintergrund zu sehen sind.



Im Bild der “Parcul Civic” im Zentrum, der jüngste Park der Stadt. Hier befand sich einst die Siebenbürger Kaserne, seinerzeit das längste Gebäude Europas. Rechts im Bild das Hotel Continental, 1971 erbaut, damals das höchste Gebäude der Stadt.



Im Vordergrund der “Freiheitsplatz”, einstiger Paradeplatz in der ehemaligen Festung Temeswar. Die Stadt wurde nach ihrer Eroberung durch die Habsburger auf dem Reißbrett schachbrettartig entworfen und wieder aufgebaut. Im Hintergrund die neue Skyline der Stadt.



Mit der Schleifung der Festungsanlagen nach 1891 entstanden auf dem ehemaligen Festungsvorland Grünanlagen. Eine davon ist der heutige Rosengarten. Der Rosenpark ist symmetrisch und mit langen Alleen, weißen Holzbänken, Rosenspalieren und Rundbeeten mit Rosen aller Art gestaltet. Diesem Park verdankt Temeswar den Beinamen Stadt der Rosen.



Ein Gebäudekomplex im Bereich der ehemaligen Festungsanlagen ist das Piaristengymnasium. Es wurde 1909 fertiggestellt, darin befinden sich Lehrsäle, ein Schülerheim, das Konvikt und die Piaristenkirche. Die Unterrichtssprachen wechselten mit der Zeit von Latein zu Deutsch, Ungarisch und Rumänisch. Das Schulgebäude wurde im Kommunismus enteignet und später der Polytechnischen Universität zur Nutzung überlassen. Seit 2006 beherbergt es das Römisch-Katholische Lyzeum des Heiligen Gerhard, genannt Gerhardinum.



Alltagsgegenstände aus der kommunistischen Zeit gelten heute als sehenswerte Raritäten.

Das Banattour-Trio besichtigte diese beim Besuch der Ausstellung “Muzeul Consumatorului Comunist”. Man fühlt sich in die Jahre des kommunistischen Systems zurückversetzt. Viele der Gegenstände waren auch in unseren damaligen Haushalten in Gebrauch. Doch Nostalgie stellte sich bei deren Anblick eher selten ein.



Die Bücher im Antiquariat vor dem Museum muteten eher an wie alte Bekannte. Könnte ich doch mein verloren gegangenes einstiges Lieblingsbuch “Nik und Onkel Jonathan” von Erika Hübner-Barth wieder finden.



Beim anschließenden Spaziergang durch die historische Innenstadt bewunderten wir spektakuläre frisch renovierte Jugendstil-Fassaden. Der Jugendstil ist ein gesamteuropäisches Phänomen. Auch in meiner zweiten Heimatstadt München ist er im ehemaligen Künstlerviertel Schwabing häufig zu finden.



Kennzeichnend für diesen Stil, der in München Ende des 19. Jahrhunderts entstand, sind bunte Farben, Stuckdekorationen in Form von floralen Ornamenten, Menschen oder Tieren, oder asymmetrische Fassaden.



Auch wenn aus dem Brunnen am Domplatz nicht mehr das alte Heilwasser sprudelt, kann man dort seinen Durst löschen. Das Trinken vom Wasserstrahl muss jedoch wieder geübt werden.




Kleine Pause im alten Zentrum der Hauptstadt des Banats mit Blick auf die einzigartigen historischen Fassaden. Im Hintergrund die Pestsäule, die Serbisch-Orthodoxe Kathedrale sowie der Serbische Bischofssitz.



Auch bei Nacht hat der Domplatz, der von Restaurants und Kneipen gesäumt ist, einen ganz besonderen Reiz. Er wird sicherlich eine der größten Attraktionen der zukünftigen europäischen Kulturhauptstadt sein.



“The magic thing about home is that it feels good to leave, and it feels even better to come back.”


Frei übersetzt bedeutet das für uns: wir fahren gerne wieder weg, werden jedoch noch lieber wieder nach Temeswar zurückkommen.

1 Comment


Obwohl, dass ich diese Plätze regelmässig besuche, ist es trotzdem immer wieder schön die Bilder und die Kommentare dazu zu lesen. Got weisst wie oft unsere Wege damals sich eventuell gekreuzigt haben....und wenn doch nicht dann eben Jetzt.

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