Die Gräber der Vorfahren digital finden


Der Neugässer Friedhof in Billed Ende Oktober 2013

Was nach einem Menschenleben übrig bleibt, ist meistens ein Grab. Bevor die aus Billed ausgesiedelten Deutschen das kommunistische Rumänien verließen, hatten sie die Ruhestätten ihrer Vorfahren zubetoniert. Eine praktische wie auch definitive Lösung. Als Jahrzehnte später ihre Nachkommen nach den Grabstätten suchten, gab es nur noch wenige Einheimische, die deren Lage auf den Friedhöfen kannten. Denn ein Grab unter rund 2.000 zu finden, ist vergleichbar mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen.


So machten sich im Juni 2004, im Dienst der Gemeinschaft, Josef Herbst, Johann Martini, Jakob Muttar, Werner Gilde und Hans Muhl aus Deutschland auf den Weg zu den Billeder Friedhöfen. Mitgenommen hatten sie eine der damals neuen Digitalkameras, eine auf einem Laptop installierte Datenbank und 10 Tage Zeit. Zusammen mit den Billedern Adam und Roswitha Csonti, Brunhilde Klein, Peter Trendler, Hans Weber und Ioan Andras erfassten sie in mehreren Teams und rund 1.000 Arbeitsstunden in Bild, Text und Positionsdaten 2.149 Gräber von 4.283 Verstorbenen, unabhängig von Nationalität und Religion.

Die Bestandsaufnahme von 2004 sollte einige Zeit ruhen, bis im Frühjahr 2020 eine andere Mannschaft das Projekt Friedhöfe wieder aufgriff. Sollten die Daten über die Gräber in einem Buch, einer CD oder einer der nun möglichen Webanwendungen zugänglich gemacht werden?


Der beste Vorschlag kam aus dem Haus Gilde. Ralf Gilde, im Vorstand der Billeder Heimatgemeinschaft aktiv, nahm sich der Sache an. Obwohl kein PHP-Programmierer, ist er es als studierter Wirtschaftswissenschaftler gewohnt, sich auch in Programmiersprachen einzuarbeiten. Ralf hat die Gräbersuche in mehreren Abschnitten programmiert, der Programmcode umfasst rund 48.000 Zeichen mit 3.715 Wörtern. Hätte man solch eine Anwendung erwerben wollen, wäre sicherlich ein vierstelliger Betrag fällig gewesen.

Durch sein Programm kann man auf der Website https://www.heimathaus-billed.de/friedhof beliebig nicht nur nach Namen und Vornamen suchen, auch nach Todes- und Geburtsjahr, sofern diese auf den Grabinschriften eingetragen waren. Zur Info gibt es die Fotos der Gräber, Stand 2004, die Grabinschrift, Zustand des Grabes, Positionsdaten sowie ein Pdf mit den Infos zum Ausdrucken. Die Suchfunktionen ermöglichen auch statistische Auswertungen. Sahnehäubchen der intuitiven Suche ist ein Lageplan mit einem blinkenden Kreis, der die Position des gesuchten Grabes anzeigt.

Von jedem Winkel der vernetzten Welt können nun Interessierte Gräber, Stand 2004, auf den virtuellen Billeder Friedhöfen suchen und finden.


Die Leistung des schon in Deutschland geborenen Ralf ist nicht hoch genug einzuschätzen. Nicht nur kann seine Generation und auch zukünftige Nachfahren die Gräber der Ahnen leicht sowohl digital als auch im Rahmen eines Besuches am Friedhof finden. Seine Programmierung ist in eine Reihe zu stellen mit den heutigen jungen Kreativen, die man mit ihren Werken auf den Plattformen der zeitgemäßen Ausdrucksformen vorfindet.


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